Vor 100 Jahren: Wie ein „Held der Medizin“ Bierhefe nutzte ...

Das Leiden verbreitete sich schnell und offenbar unaufhaltsam wie eine Seuche. Heimgesucht wurden weite Gebiete Südeuropas und Amerikas. Wegen der schweren, sonnenbrandartigen Hautveränderungen nannte man die Krankheit Pellagra („raue Haut“). Unbehandelt verlief sie nach einer Leidenszeit von drei bis fünf Jahren tödlich, begleitet von Durchfällen sowie gravierenden Bewusstseinstrübungen.
Deshalb hieß Pellagra auch die „Krankheit der drei Ds“ (Dermatitis, Diarrhoe und Demenz).

Lange Zeit sprach man von einem Infektionsleiden. Wissenschaftler vermuteten einen Krankheitserreger. Betroffene wurden wegen der vermeintlichen Ansteckungsgefahr sogar von Krankenhäusern abgewiesen. Die Therapien waren fragwürdig und wenig erfolgreich: Den Kranken wurden Rizinusöl, Strychnin und Arsen verabreicht.

Dann trat im Jahr 1914 der amerikanische Arzt und Epidemiologe Dr. Joseph Goldberger (1874 – 1929) vom US Public Health Service auf den Plan. Er konnte belegen, was vorher heftig bestritten worden war: Defizite in der Ernährung (ein Vitaminmangel) waren es, die hinter den Symptomen steckten, keine der damals geradezu hysterisch gefürchteten „Mikroben“.

Den Hintergrund der Misere bildete der Mais-betonte Speisezettel vor allem in ärmeren ländlichen Gebieten der Südstaaten. Mais erwies sich als sehr ertragreich und eroberte immer größere Anbauflächen, wurde zum Grundnahrungsmittel für die Ärmeren. Was man nicht wusste: Es mangelt dem Mais am B-Vitamin Niacin, was bei einseitiger Ernährung schwere Folgen nach sich zieht. 

Dies alles konnte Goldberger damals, als die Vitaminforschung noch in den Kinderschuhen steckte, nicht wissen. Klar war nur: Das Leiden hing mit einem Mangel an lebenswichtigen Nahrungsinhaltsstoffen zusammen. In dieser Situation machte Goldberger eine bedeutende Entdeckung:

Pellagra, so das Ergebnis seiner Untersuchungen, ist mit Bierhefe wirksam zu bekämpfen. Die Brauereihefe erwies sich als wirksame Quelle für den Pellagra-Schutz-Faktor. Goldberger gelang es, den Public Health Service für einen aufwändigen Feldversuch zu gewinnen. Mit Hilfe des Roten Kreuzes verteilte man 1927 an die arme Bevölkerung in den gefährdeten Überschwemmungsgebieten des Mississippi große Mengen an Bierhefe zur Ergänzung der Mais-Ernährung. Das Ergebnis war überwältigend. Der fatalistisch erwartete Ausbruch der Epidemie blieb nach der „Hefe-Kur“ aus, die Erkrankungsraten sanken unter den landesüblichen Durchschnitt.

Als die Behörden die Versorgung mit dem Brauereiprodukt einstellten, meldete sich die „Seuche“ prompt zurück. Damit war klar: Brauereihefe enthält einen höchst wirksamen Schutzfaktor, und dieser entstammt, wie erst Conrad Elvehjem 1937 genauer ermittelte, aus dem Kreis der B-Vitamine (Niacin). Goldberger wurde als „Held der amerikanischen klinischen Epidemiologie“ gefeiert. Denn Pellagra war durch ihn gestoppt worden, und dies ganz ohne Medikamente oder hochdosierte Einzelsubstanzen, allein auf der Grundlage eines ganzheitlichen Verständnisses der Heilkraft unserer Nahrung.

Er erfüllte damit die über 2000 Jahre alte Forderung des wohl bekanntesten Arztes im klassischen Griechenland, Hippokrates:
Lasst Nahrungsmittel unsere Heilmittel und Heilmittel unsere Nahrungsmittel sein!

Und heute? In Zeiten explodierender Kosten im Gesundheitswesen und der Erkenntnis, dass viele Krankheiten zum Großteil ernährungsmitbedingt sind, kommt den natürlichen wertgebenden Substanzen in unseren Lebensmitteln wieder besondere Bedeutung zu.

 

Aus dem Buch: Avitaminosen und verwandte Krankheitszustände 
von Walther Fischer, Paul György, Berthold Kibu, Wolfgang Stepp
Springer-Verlag

Bild: Joseph Goldberger, Centers for Disease Control and Prevention,
Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten

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