Lassen Sie sich nicht von Vitaminzusätzen täuschen!

Die Idee, isolierte Vitamine und Mineralstoffe zu verabreichen, entstammt direkt der modernen Arzneimittellehre. Dahinter steckt die Annahme, dass nicht etwa unser Essverhalten fehlerhaft sein könnte, sondern unsere Lebensmittel selbst unvollkommen sind - und wir deshalb krank werden.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien ziehen die Wirksamkeit von zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen inzwischen zunehmend in Zweifel bzw. weisen auf schädliche Nebenwirkungen hin. 

Vitamine und andere Wirkstoffe in Reinform kommen in der Natur nicht vor. Entsprechend riskant kann die dauernde Einnahme dieser Substanzen als Isolate für unsere Gesundheit sein. Im besten Fall werden die Wirkstoffe nicht richtig aufgenommen, im schlechtesten Fall sind Nebenwirkungen zu befürchten - wie bei jedem Medikament. So musste eine Studie mit Rauchern, denen man isoliertes beta-Carotin verabreicht hatte, abgebrochen werden, weil bei der Vitamin-Gruppe eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands beobachtet wurde. Beta-Carotin aus Lebensmitteln hatte keinen negativen Effekt.

Eine weitere Studie untersuchte 2017 das Lungenkrebsrisiko unter Einnahme verschiedener B-Vitamin-Supplemente sowohl bei Rauchern als auch Nicht-Rauchern. Beide Gruppen hatten ein erhöhtes Krebsrisiko, wobei Männer und Raucher nochmal gefährdeter waren.

Eine aktuelle Studie aus den USA mit über 20.000 Teilnehmern kam zu dem Schluss, dass bestimmte Vitamine und Mineralstoffe aus Supplementen das Krankheitsrisiko erhöhten. Die gleichen Wirkstoffe aus Lebensmitteln waren dagegen sicher.

Verständlich, dass daher viele Menschen wieder zum Original greifen wollen: Naturbelassene Lebensmittel mit einem natürlich reichen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen. Die Spitzenreiter in dieser Disziplin gibt es, aber die Rohstoffe und die Herstellung sind teuer. Deshalb verwenden findige Hersteller minderwertige Rohstoffe oder Rohstoffe in Minimaldosierung und peppen diese mit einem Vitamincocktail auf (aus künstlichem oder natürlichem Ursprung ist dabei nebensächlich).

Dass die ausgelobten Vitamine und anderen Vitalstoffe beispielsweise gar nicht aus der verwendeten Hefe, dem Hagebuttenpulver, den Obst- und Gemüse-/Kräuterkonzentraten, den Ölen oder Pflanzensäften entstammen, erschließt sich leider den wenigsten. Dabei  würde ein Blick ins Zutatenverzeichnis es verraten: Sind Vitamine und Co. dort aufgelistet, kommen diese nicht aus dem originären Lebensmittel - sie sind nachträglich hinzugefügt worden. 

Der gute Ruf des Ausgangsrohstoffes dient dann nur zur Unterstreichung der „Natürlichkeit“ des Produktes. Dank der zugesetzten Vitamine können die begehrten „Health Claims“ - von der EU zugelassene Gesundheitsaussagen - verwendet werden. Mit der richtigen Dosierung können alle gewünschten Aussagen zur Immunabwehr, zur Knochengesundheit oder zur Blutbildung auf die Packung gedruckt werden. Außerdem genügen geringste Dosierungen, um die Tagesbedarfsmengen zu erreichen.

Das allgemeine Unwissen dieser Zusammenhänge wird leider systematisch ausgenutzt. Dagegen helfen nur Verbraucheraufklärung und eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung.

Dr. Metz beweist es seit Jahrzehnten: Bei sorgfältiger Auswahl und schonender Behandlung können hochwertige Lebensmittel ohne Vitamin- und Mineralstoffzusätze hergestellt werden und sind dadurch ernährungsphysiologisch besonders wertvoll und wirksam.

Pillen und Kapseln finden sicher weiterhin ihre Abnehmer, doch sollten wir sie nicht unbewusst mit vermeintlich gesunden Lebensmitteln schlucken müssen. Lesen Sie also unbedingt immer das Zutatenverzeichnis eines für Sie neuen Produkts - die Nährwerttabelle sagt nichts über die Herkunft der werblich oft besonders hervorgehobenen Stoffe aus!

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