In die Biotonne oder in den Kochtopf?

Früher freuten sich die Kaninchen, heute bleiben, wenn ich Salat oder Gemüsegerichte zubereite, oft Berge an Grünzeug übrig.
Diese vermeintlichen „Abfälle” sind fast immer so wertvoll wie die eigentliche Frucht. „Von der Wurzel bis zum Stiel“ ist der neue Trend: Er spart Geld, steigert die Nährstoffaufnahme und erübrigt den Weg zum Kompost oder zur Biotonne.

Am besten eignet sich Gemüse aus dem Garten oder aus Bio-Anbau.

1. Karottengrün und andere Blätter
Frisch und knackig kann Karottengrün wie Petersilie zum Verfeinern von Gerichten verwendet werden. Aus Möhrengrün, Sellerie-, Kohlrabi- und Lauch blättern, Zwiebeln und Knoblauch sowie den unansehnlicheren Teilen von Kräutern kann man eine gute Gemüsebrühe zubereiten. Gemüsereste einfach zusammen mit ein paar Kräutern, Pfefferkörnern und Salz etwa eine Stunde lang in heißem Wasser kochen, dann das Kochwasser durch ein feines Sieb oder sauberes Küchenhandtuch gießen. In saubere Schraubgläser abgefüllt und dunkel gelagert hält sich die Brühe einige Wochen.
Karottengrün schmeckt als herzhaftes Pesto mit Olivenöl, Nüssen und etwas Parmesan.

2. Kartoffelschalen
Aus frischen und gereinigten Schalen (keine grünen oder keimende Schalen verwenden, da hier die Solanin-Konzentration höher ist) können gesunde, herzhafte „Chips“ werden. Breiten Sie die Schalen auf einem mit Backpapier belegtem Back blech aus. Mit Olivenöl beträufeln und mit Salz, Pfeffer, Paprika und Chilipulver wür zen. Bei 200 Grad im vorgeheizten Backofen etwa 10 Minuten knusprig backen. Funktioniert auch mit Pastinaken- und Karottenschalen.

3. Blumenkohl und Brokkoli
Beim Putzen von Blumenkohl bleiben Blätter und Strunk übrig; diese eignen sich fürs Kochen von Gemüsebrühe. Brokkolistiele schmecken geschält und etwas länger als die Röschen gegart hervorragend.
Aus den Blättern von Radieschen, Karotten, Kohlrabi oder Rettich, aus Salatblättern und Kräutern und Gurkenschalen lassen sich gut Smoothies herstellen.
Für Gemüsepüree: Die Strünke weichkochen und mit oder ohne gegarte Kartoffeln mit etwas Kochwasser, Butter und Gewürzen pürieren.

4. Salatdressing mit Salatstrunk
Harte Salatstrünke und Blattrippen sowie das Grün von Radieschen und Kohlrabi kann man zusammen mit Essig, Öl und Gewürzen zu einem schmackhaften Salatdressing pürieren.

5. Das fein gehackte Blattgrün vom Fenchel kann zum Beispiel zum Würzen von Fisch und Salaten verwendet werden. Es eignet sich auch zum Kochen eines wohltuenden Tees.

6. Bio-Orangen- und Bio-Zitronenschalen
ergeben getrocknet einen aromatischen Früchtetee.

7. Abgekühlter, trockener Kaffeesatz funktioniert wie chemiefreie Scheuermilch und reinigt Blumenvasen von Ablagerungen: Kaffeesatz in das Gefäß geben und mit heißem Wasser übergießen. Gut schütteln, mindestens eine Stunde stehen lassen. Auch hartnäckiger Schmutz an Grill und Pfannen lässt sich leicht reinigen.
Kaffeesatz, in den Boden eingearbeitet, zieht jede Menge nützliche Regenwürmer an und sorgt für frischen Humusboden. Auch als Dünger fördert er schnell kräftigeres Wachstum.

8. Kürbiskerne vom Fruchtfleisch befreien und abspülen. Auf einem Backblech mit genügend Abstand verteilen. Wenn gewünscht mit wenig Olivenöl, Meersalz, Chili würzen. Danach im 150 Grad heißen Ofen circa 20 Minuten rösten, nach 10 Minuten wenden.

10. Blätter von Roter Bete lassen sich wie Spinat oder Mangold kochen. Gut waschen, dann die Blätter mit Olivenöl und etwas Knoblauch dünsten – mit Nudeln servieren. Die roten Stiele kann man roh im Salat essen – sie schmecken gut mit Rauke, geriebenen Karotten, gerösteten Kürbiskernen und einem Dressing mit Senf.

11. Aus fast allen (auch gegarten) Gemüseresten kann man Suppen kochen.

12. Das Auskochen von Spargelschalen und den holzigen Enden ergibt die Basis einer leckeren Spargelcremesuppe.

Dr. Kathrin Metz-Müller

 

 

Bild: M.studio/Fotolia.com