Getreide macht Darmbakterien stark

Bakterien spalten Ballaststoffe und verwerten sie. Dabei entstehen Fettsäuren wie Butyrat, die die Darmzellen mit Energie versorgen, die Darmbewegung fördern, entzündungshemmend wirken und die Bildung von Hormonen anregen.

Ein Team von Experten um Maria De Angelis von der University of Bari Aldo Moro hat näher untersucht, wie Essgewohnheiten und Darmflora zusammenhängen.

Dazu werteten die Forscher die Ergebnisse von rund 180 Studien aus. Ob vegetarisch, fleischbetont, mediterran oder normale Mischkost: Die Ernährungsweise beeinflusst die Zusammensetzung und Aktivität der Darmbakterien – und die ist wichtiger für die Gesundheit als lange angenommen. So kurbelt eine fett- und eiweißreiche Ernährung mit viel Fleisch und Fast Food das Wachstum von Bakterien an, die Entzündungen fördern und die Darmbarriere stören.

Auch glutenfreie Kost, auf die derrzeit so viele schwören, wirkt sich nicht positiv auf die Bakterien aus. (Medizinisch zwingend ist sie nur bei Zöliakie, wenn das Klebereiweiß vieler Getreidearten nicht vertragen wird.):
In einer Studie mit gesunden Personen fand die spanische Forscherin Yolanda Sanz vom Institute of Agrochemistry and Food Technology in Valencia heraus, dass Verzicht auf Getreideprodukte die guten Bakterien im Darm dezimiert und die ungesunden wachsen lässt. Sie führt das darauf zurück, dass den Bakterien das nötige Futter fehlt, wenn sie keine Fasern und Stärke aus Getreide erhalten. Wer ohne Not dauerhaft auf Getreide verzichtet, leistet damit seiner Gesundheit einen schlechten Dienst.

Curr Med Chem. 2017 Apr 27. doi: 10.2174/092986732466617042810384
Ann Nutr Metab. 2015;67 Suppl 2:28-41. doi: 10.1159/000440991

Die wichtigste Aussage für gesunde Menschen: Nicht nur Gemüse und Obst, sondern die Ballaststoffe, die in Gerste, Weizen und Roggen (vor allem in der Vollkorn-Variante) stecken, spielen eine Rolle in der Verdauung.

Eine tröstende Botschaft haben die Untersuchungen auch: Eine gesunde Darmflora ist sehr stabil. Sie lässt sich durch gelegentliche Fehltritte in der Ernährung nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Kleine Sünden sind also erlaubt.

Bild: © Kira Hoffmann/Fotolia.com